Aus dem Nähkästchen: Plektren

Den meisten von euch, die schon das eine oder andere mal bei uns im Laden waren, dürfte folgendes Szenario nicht gänzlich unbekannt sein:

Da hat man nun, nach mehrstündigem, teilweise mehrtägigem auschecken, vergleichen, wiegen, streicheln und riechen, die eine Gitarre gefunden, von der man seit Jugend-, ach, seit Kindheitstagen träumt; der Preis ist eingetütet, man verlangt nach dem Koffer, man hat mit dem Fachberater seiner Wahl bereits Telefonnummern ausgetauscht, evtl. gemeinsame Urlaubspläne geschmiedet, man schreitet entschlossenen Fußes zur Kasse und nun das:

Das steht so ein Typ_in, der/die ausgerechnet jetzt, hier und heute, eine 20-minütige Beratung zum Thema Plektren haben muß! Echt jetzt? Wegen Plektren?
Yep.
Plektren sind wichtig. Plektren werden unterschätzt. Plektren haben es in sich.

Alle am Markt befindlichen Hersteller, Farben, Formen, Stärken und Materialien aufzulisten, würde einerseits diesen Rahmen sprengen, andererseits auch nicht recht aussagekräftig bzw. zielführend sein. Das eine, wahre und gute Plektrum gibt es nicht (zumindest in der Welt des Autors). Es gibt jedoch immer das richtige Plektrum für den einen Gitarristen_in und den einen Zweck.

Will ich z.B. daß meine Singlecoils ein fetter daherkommen, versuche ich es mal mit einer Nummer größer oder dicker; evtl. kann auch eine rundere Spitze weiterhelfen.

Fehlt es mir an Attack, mach ich es umgekehrt und wähle eine spitzere Form aus einem steiferen Material mit hellerem Eigenklang. (richtig gelesen; laßt mal verschiedene Pleks nacheinander auf eine Tischplatte fallen, die Klang-Unterschiede sind enorm)

Fliegen mir pro Song zwei von den Dingern aus der Hand, suche ich etwas mit geriffelter Oberfläche bzw. mehr Grip.

Das richtige Plektrum kann den Unterschied machen – Zwischen entspannt spielen oder abrackern und verkrampfen, zwischen Saite treffen oder eben nicht.
Nicht von ungefähr wissen wir von prominenten, teils sagenumwobenen „Spielhilfen“ unserer Helden:

Brian May – Die englische Six-Pence Münze (der richtige Jahrgang ist entscheidend).

Jimmy Page – Das 60 ́s Herco Nylon

Django Reinhardt – Der Knopf

Mark Knopfler nennt das Plektrum „the biggest amplifier there is“ und wer wollte diesem Herrn ernsthaft widersprechen?

Und auch wir haben unter unseren Kunden zahlreiche erfahrene und ebenso versierte Gitarristen_innen, darunter echte Koryphäen (mehr wird nicht verraten), die sich erst im Lauf ihrer Karriere auf ein oder ein paar wenige „Spielplättchen“ festgelegt haben. Nach langer Orientierungsphase, wohlgemerkt.

All das soll heißen:
Seid bzw. bleibt experimentierfreudig ! Vielleicht liegt die Lösung für so manches Problem ja nur im 70-Cent-Bereich. Vielleicht muß es nicht immer gleich ein neues Effektgerät oder ein neues Instrument sein. Der Teufel steckt im Detail und der Ton, angeblich, in den Fingern. Und was hält man zwischen eben diesen Fingern?
Richtig, das Plektrum.

PS:
Der Plural lautet Plektren, nicht Plektrums. Ist in Nürnberg aber nicht entscheidend.

Euer Hannes

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1 Comment

  • Norbert Kehr sagt:

    Und doch, lieber Hannes, habe ich das – zumindest für mich – ultimative Plektrum gefunden: beim holländischen Pick-Hersteller WEGEN. Der hat ein irres Sortiment, aber ich favorisiere den BIG CITY PICK mit 1,8mm Stärke. Die sind nicht an der Spitze, sondern an der Längsseite abgeschrägt und spielen sich traumhaft. Zudem sind sie gelocht und können somit nicht davonsegeln…
    Ausprobieren!
    Keep on playing!
    Blues zum Gruß, Norbert

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