Pimp My Axe: E-Gitarren Hardware

Der Klang einer elektrischen Gitarre entsteht bekanntlich durch zwei Komponenten. Dem akustischen Primärklang des Instruments und der elektrischen Umwandlung durch die Tonabnehmer. Während die Soundoptimierung durch einen Tonabnehmertausch eine populäre Tuningmethode ist, möchte ich mich hier mit einem oftmals etwas unterbewerteten, aber mindestens so einflussreichem Faktor beschäftigen – dem Primärklang. Dieser einerseits durch die Bauweise des Instruments und das verwendete Holz bzw. die Lackierung (Lacktyp und Dicke des Lackauftrags) festgelegte Faktor, hat andererseits mit der verwendeten Hardware eine nicht zu unterschätzende Variable. So entscheiden die verwendeten Materialien der Hardware und auch die Konstruktion nicht unerheblich über den akustischen Grundklang des Instruments, da gerade durch ausschlaggebende Bauteile wie Brücke, Tailpiece, Tremolo und Saitenhalter die Schwingungen der Saiten an den Korpus übertragen werden. Hierbei besteht oftmals Optimierungspotential, das im Gesamtergebnis durchaus einen genauso erheblichen Einfluss wie ein Tonabnehmertausch haben kann und zudem deutlich günstiger ist. Da das Thema sehr umfassend ist, möchte ich vorerst nur auf Les-Paul-Style Gitarren eingehen (die Erkenntnisse lassen sich natürlich auch auf SGs, Explorer, Firebirds oder ES Style Gitarren mit derselben Brückenkonstruktion übertragen) und über meine Erfahrungen in Sachen Hardwareoptimierung berichten:

Les-Paul-Style Gitarren mit Tune-O-Matic Bridge

Die klassische Kombination aus Tailpiece und auf Rändelschrauben gelagerter Brücke hat über die Jahre so einiges an Veränderungen erfahren. Die erstmals 1954 auf Les Paul Customs verwendete Konstruktion bestand in der Urversion aus einem auf Stahlbolzen aufgehängtem Aluminium-Tailpiece/Saitenhalter und einer Zinkdruckgussbrücke. Dazu kamen verstellbare Saitenreiter aus Messing, die auf einer Konstruktion aus Messing-Rändelschrauben und Gewindestangen sitzen. Diese simple aber effektive Konstruktion erlaubt es, die Saitenlage ohne Werkzeug nachzujustieren und jede Saite einzeln zu intonieren.

Die erste Veränderung kam dann in den 60ern. Die Brücke mit der Bezeichnung ABR-1 erhielt eine Sicherungsfeder, um die Saitenreiter bei fehlendem Saitendruck (z.B. wenn eine Saite riss oder beim Saitenwechsel) auf der Brücke zu halten. Da die Brücke durch lose sitzende Reiter oftmals störende, rasselnde Nebengeräusche produzierte, ersetzte man die Messingreiter kurze Zeit später durch Substitute aus Hartnylon. Diese produzierten einen etwas weicheren, glatteren und komprimierteren Klang.

Mitte der 70er Jahre wurde der leichte Aluminium Saitenhalter dann gegen ein schweres Gusstailpiece ersetzt und die Tune-o-Matic Brückenkonstruktion komplett überarbeitet. Die schlanke ABR-1 Brücke wurde gegen eine breitere und schwerere Brücke mit gesicherten Sätteln (hergestellt von der deutschen Firma Schaller) ersetzt, auch bald unter dem Spitznamen „Nashville Bridge“ bekannt. Diese wurde auf einer Bolzen/Rändelschraubenkombination gelagert und in eine im Korpus versenkte Einschlaghülse verschraubt.

Diese neue Konstruktion erlaubte nun einen weiteren Intonationsweg, brachte aber auch eine erhebliche Klangveränderung mit sich. Der spritzige, offene Ton der ABR-1/Alutailpiece-Kombination wich einem etwas dunkleren, fetteren, aber auch etwas trägerem Sound.

In den 80er Jahren kamen mit den ersten Reissues Les Pauls auch die ABR-1 Brücken zurück. Es dauerte aber noch bis weit in die 2000er bis wieder die Version ohne Draht (non-wired) und die leichten Alu Tailpieces erhältlich waren. Trotz des optisch nahezu identischen Erscheinungsbildes, unterscheiden sich die Reissue-ABR-1-Setups doch etwas von den Originalen der 50er/60er. Der Materialmix der Brücke wurde verändert, die dünnen Messing-Rändelschrauben wurden kleiner und aus Stahl gefertigt. Die Saitenreiter bekamen ein Update aus härterem Messing.

Gleichzeitig begann auch der Replacementmarkt zu wachsen und mittlerweile gibt es Produkte für alle möglichen Wünsche, egal ob man seine Gitarre mit historischen oder mit modernen Updates tunen möchte.

Hier nun ein paar mögliche Tuningszenarien:

Ich besitze eine moderne Les Paul mit Nashville Brücke/Gusstailpiece und möchte sie optisch und tonal in Richtung Vintage Les Paul modifizieren:

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ersetzt man die Nashville M4 Bolzen mit sogenannten „Conversion Studs“, also Bolzen die von metrischem Gewinde auf Zollmaß konvertieren und kann somit eine original Gibson ABR-1 Brücke benutzen. Oder man greift auf einen der zahlreichen Hersteller zurück, die schlanke ABR-1-Style Brücken mit größerem Lochmaß anbieten, um sie direkt auf die Nashville Bolzen setzen zu können. Aluminium Tailpieces gibt es mittlerweile von zahlreichen Herstellern, auch als historisches Replacement der Firma Gibson selbst.

Ich besitze eine Vintage (-style) Les Paul und bin genervt von den wackelnden, losen Saitenreitern der ABR-1 Brücke. Zusätzlich fällt des öfteren die Komplette Brücke beim Saitenwechseln vom Instrument, wodurch sich mein ganzes Setup verstellt:

Dafür gibt es sogenannte Locking Tune-o-matic Bridges (z.B. von der Firma Tonepros), die man mit einer kleinen Inbus Madenschraube auf den Bolzen sichern kann und somit das Setup in jeder Situation erhalten bleibt. Weiterhin gibt es diverse Hersteller, die ABR-1 Style Brücken mit sicher sitzenden Saitenreitern und optimierten Fertigungstoleranzen anbieten. Damit gehören herausfallende Böckchen und Rasselgeräusche der Vergangenheit an. Die Firma ABM aus Berlin hat beispielsweise diverse Lösungen für derartige Fälle im Programm.

Ich besitze eine Reissue Les Paul und möchte sie noch weiter in Richtung Vintage Burstsound trimmen:

Hierfür gibt es von diversen Herstellern historisch akkurate Parts (z.B. Crazyparts), wie z.B. dünne Rändelschrauben, Saitenreiter und Schrauben aus Soft-Brass (weiches Messing). Diese Replacements machen den Sound ein wenig wärmer und obertonreicher.

Meine Les Paul klingt zu dunkel und undifferenziert:

Hier lohnt es sich zu überprüfen, ob man auf seiner Gitarre ein schweres Guss-Tailpiece mit Messingbolzen verbaut hat. Ist dies der Fall, kann man mit Stahlbolzen und einem Aluminium-Tailpiece den Sound deutlich „auffrischen“. Der Grundsound wird schlanker und differenzierter. Ist das immer noch nicht genug, lohnt sich der Blick auf die Düsenberg Tune-o-matic Bridge, die dank der Stahlreiter äusserst definiert und höhenreich klingt.

Meine Les Paul klingt mir zu zahm und gefällig:

In diesem Fall sollte man die Produkte der Firma ABM genauer betrachten. Die Parts (erhältlich für alle möglichen Gibson Typen) werden aus reinem Glockenmessing gefräst und haben einen äußerst kräftigen und mittenbetonten Klang, der jede Paula deutlich rockiger und mehr Gain vertragen lässt.

Les-Paul-Style Gitarren mit Wraparound Bridge

Die klassische Einteilerbrücke erlangte in den letzen Jahren, trotz ihrer beschränkten Einstellmöglichkeiten, wieder mehr Popularität. Das verwundert wenig, denn keine andere Brückenkonstruktion transferiert so direkt und ohne Umwege die Saitenschwingungen an den Korpus. Gitarren mit diesem Brückentypus besitzen einen sehr kraftvollen und direkten Ton. Das System wurde erstmals auf den Les Paul Juniors und Specials Mitte der 50er Jahre verbaut und besteht aus einem einfachen Aluminium-Tailpiece, welches auf Stahlbolzen aufgehängt ist. Die Saiten werden von vorne über die Oberseite der Bridge gewickelt. Da die Brücke nur im ganzen über zwei kleine Madenschrauben verstellbar ist (also man nicht die Saiten in ihrer individuellen Mensurlänge verstellen kann) ist die Intonation oft ein wenig kompromissbehaftet. Dieses Problem versuchte Gibson im Laufe der 60er mit den sogenannten Lightning Bar Wraparound Bridges (diese wurden aus Druckguss gefertigt) zu verbessern. Durch die Vorkompensation in Form einer Treppe, wird die jeweilige Saite näher an die optimale Mensurlänge gebracht, wodurch das Instrument besser intoniert. Diese Brücken wurden anfänglich noch auf Stahlbolzen gelagert, ab Mitte der 60er verwendete man Messing als bevorzugtes Material.

Auch für die Wrap-Around-Bridge hat der Replacementmarkt so einiges an Optionen zu bieten (die sowohl klangliche Upgrades als auch eine bessere Intonation versprechen). Hier nun ein paar Tuning-Szenarien:

Meine Gitarre intoniert einfach nicht richtig und klingt in manchen Lagen schief:

Eine nahezu optimale Intonation lässt nur ein Tailpiece mit individuell einstellbaren Saitenreitern zu. Das bekannteste, voll justierbare Wraparound-Replacement ist sicherlich die Leo Quan Badass Bridge aus Messing, die allerdings mit einer erheblichen Klangveränderung einhergeht (die Gitarre wird deutlich mittiger bzw. basslastiger und verliert an Spritzigkeit). Auch andere Hersteller haben ähnliche Produkte im Programm, wie z.B. Düsenberg, Wilkinson oder Schaller, die je nach Material verschiedene Klangergebnisse liefern. Wem diese Brücken doch zu sehr den ursprünglichen Wraparound-Ton verwässern, der wird möglicherweise bei Herstellern wie Rockinger oder ABM fündig, die klassische Wraparound Brücken mit einer eingefrästen Intonationskurve (also ein ähnlicher Ansatz wie das Gibson Lightning Bar Tailpiece) anbieten.

Meine Gitarre klingt trotz Wraparound Tailpiece zu mittig/dunkel

Hierbei lohnt ein Blick auf die verbaute Hardware. Bei den meisten Gitarren, die nicht gerade dem Custom Shop entstammen wird ein Gusstailpiece auf Messingbolzen verbaut. Ist das der Fall, kann man auf eine Aluminium- Wraparound-Bridge mit Stahlbolzen wechseln, was der Gitarre deutlich frischere Höhen und einen direkteren Ton beschert. Umgekehrt kann man natürlich auch eine zu höhenreiche Gitarre in eine mittigere/dunklere Grundausrichtung trimmen.

Ich hoffe dieser kleine Einblick kann auf der Suche nach Eurem Sound behilflich sein. In der nächsten Ausgabe werde ich mich mit der Hardware von Fender Gitarren beschäftigen, die ein ebenso großes Optimierungspotential besitzen. Gerne berate ich Euch auch persönlich zu Euren individuellen Instrumenten.

Euer „Captain“ Chris

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