Ein Ode an: Two Notes Torpedo Captor

Wir Gitaristen_innen sind schon ein seltsames Völkchen. Einerseits muss es das 120 Watt Vollröhrentopteil mit 30 Kg sein, am besten auf einer 4×12 Box, damit die Hosenbeine beim Proben ordentlich flattern. Anderseits will man aber dann doch Zuhause möglichst leise üben, damit die Kinder nicht wach werden oder der Nachbar nicht Amok läuft. Klar, es gibt da geniale, digitale Produkte auf dem Markt, aber der/die gemeine Saitenzupfende ist jetzt nicht unbedingt bekannt für seine Flexibilität in Hinblick auf neue Technologien. Immerhin kann ein Röhrenamp bei vernünftiger Pflege ein Gitarristen_innenleben überdauern und es ist nur zu verständlich, dass sich diese Bindung nicht immer durch Bits & Bites ersetzen lässt. Was bleibt ist die Jagd nach der „Eier-legenden-Wollmilchsau“. Tja, das könnte sich heute vielleicht für euch erledigt haben. Denn im sonnigen Saint-Gély-du-Fesc, an der schönen Küste Südfrankreichs, tüfteln schon seit längerem findige Ingenieure_innen an Produkten, die unser aller Leben nachhaltig verändern könnte – zumindest in Bezug auf den gewünschten Gitarrensound.

Front-Ansicht: Two Notes Torpedo Captor

Eines dieser Produkte ist das TWO NOTES Torpedo Captor, eine DI-Box, gespickt mit vielen sinnvollen Features, die im kreativen Werkzeugkasten nicht weiter fehlen sollte. Hier sind meine fünf Gründe warum das Kistchen so genial ist:

1. Die Features

Wie bereits erwähnt, kommt die Box mit einigen, nutzerfreundlichen Funktionen. Eine der Wichtigsten ist für mich der eingebaute Lastwiderstand. Dieser ermöglicht es jeden Röhrenamp bis 100 Watt Leistung ohne eine angeschlossene Box oder einen angeschlossenen Speaker – im Falle eines Combos – spielen zu können. Hierfür wird einfach der Speaker-Ausgang des Amps mit dem rot gekennzeichneten Eingang auf der Rückseite des Torpedo Captor verbunden. Das ist Narrensicher und Bedarf keiner weiterer, elektrotechnischer Fachkenntnisse. Wichtig ist nur, dass der Ohmwert eures Speaker-Ausgangs mit dem der DI-Box übereinstimmt. Da dieser aber fett auf dem Gerät prangt, sollte diesem Missverständnis vorgebeugt sein. Mein zweitliebstes Feature ist die Stromversorgung via 48V Phantomspeisung. Heutzutage ist jedes halbwegs gute Mischpult oder Interface damit ausgestattet. Einfach den DI-Ausgang mit einem Eingang am Mischpult oder Interface, bei dem Phantomspeisung zugeschaltet werden kann, anschließen und der Torpedo wird mit Strom versorgt. Das spart das Gefummel mit Netzteilen und ist auch relativ ausfallsicher im Live oder Studiobetrieb. Zu guter Letzt besitzt der Torpedo neben dem gängigen Thru-Out noch einen zusätzlichen -20db-Ausgang, der mit einem Cabinet verbunden werden kann. Das reduziert die Lautstärke des Amps um ein Vielfaches und macht den Einsatz, gerade im Proberaum, aber vor allem Zuhause um einiges flexibler. Aber aufgepasst: Wird der Thru – oder -2db – Ausgang verwendet, ist die Interne Last der DI-Box deaktiviert. Also nie die beiden Ausgänge belegen, wenn keine Box/Speaker angeschlossen ist.

Rück-Ansicht: Two Notes Torpedo Captor

2. Die Flexibilität

Nicht nur Gitarristen_innen können sich die Wunderkiste auf die Wunschliste schreiben. Über einen Wahlschalter auf der Vorderseite, kann für den emulierten Ausgang auch eine Bass-Simulation gewählt werden. Als bekennender Hobby-Basser nutze ich die Funktion liebend gerne zum Rekorden. Einfach einen Bass-Preamp vorschalten und direkt in die DAW einspielen. Für das Aufnehmen von schnellen Ideen ist das genial und der Sound kann sich hören lassen. Übrigens eignet sich die Bass-Simulation auch für Akustikgitarre. Das macht den Torpedo zum schweizer – oder besser gesagt – zum französischem Taschenmesser für den Heimrecorder. Aber auch im professionellem Studio-Kontext muss sich die Kiste nicht verstecken, vor allem, wenn man sich langwierige Aufbauten ersparen möchte.

3. Die Extras

TWO NOTES ist nicht nur ein Hersteller von Hardwareprodukten, sondern ursprünglich eigentlich ein Unternehmen für Softwareentwicklung. Seit längerem ist ihr „Wall of Sound“ – Plugin absoluter Branchen-Standard unter den sogenannten „Impuls-Response-Loadern“  (kurz IR-Loader). Die Franzosen entwickeln ihre Software stetig weiter und fügen immer wieder neue „Boxenmodelle“ der bereits beachtlichen Soundbibliothek hinzu. Die Software alleine wäre einen ganzen Artikel wert, um alle Möglichkeiten zu beschreiben, die diese mit sich bringt. Mit dem Kauf der Torpedo Captor DI erhaltet ihr bei Produktregistrierung das „Wall of Sound“-Plugin, ausgestattet mit einer Vielzahl bekannter Speaker-Cabinets, kostenlos dazu. Eine faire Geste bei dem Preis.

4. Der Preis

Wer schon etliche Euros in einen hochwertigen Röhrenamp investiert hat, ist vielleicht gewillt die nächste Investition etwas ruhiger anzugehen. Scanned man den Markt nach vergleichbaren Produkten mit vergleichbaren Features ab, so steht das TWO NOTES Torpedo Captor, in der eigenen Preis – und Gewichtsklasse, ziemlich alleine im Wald. Gerade, wenn man die Softwareunterstützung mit einkalkuliert, ist der nächste Konkurrent erst über der 1000€-Marke zu finden. Nur aus dem eigenen Hause gibt es eine günstigere Alternative: Das Torpedo Captor X.

5. Die Verarbeitung

…ist durchweg gelungen. Das Chassis ist aus Metall und steht an den Enden etwas über, was dem Schutz der Schalter und des Potis dient. Der Poti an sich ist weder zu leicht oder zu schwergängig. Der Lüfter ist super leise und war im Einsatz für mich bisher nicht hörbar. Es brummt nichts oder interferiert mit anderen Geräten oder Stromkreisen.

Summa Summarum: 

Über kurze Zeit ist die kleine Box für mich zum wichtigsten Zubehör (neben meinem Stimmgerät) geworden. Egal ob zu Hause oder im Proberaum, es ist ein fester Bestandteil meines Sounds. Und das Entscheidende: Die DI inspiriert mich immer noch neue Set-Ups und Gear-Konfiguarationen auszuprobieren und ist dabei mehr als nur ein simples Werkzeug. Klar, wäre es noch super gewesen, wenn man die integrierte Impuls-Response wechseln könnte (die Vorhandene ist jedoch bereits sehr erhaben) oder man noch ein paar mehr Attenuationsstufen hätte. Wenn man darauf nicht verzichten kann, dann bleibt eigentlich nur der Griff zur Universal Audio Ox Box. Für alle anderen ist die TWO NOTES Torpedo Captor DI-Box eine sehr gute Alternative, die eine spitzen Sound-Qualität abliefert und dabei auch nicht die Welt kostet. Hut ab!

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