Spotlight: Furch Guitars

Frantisek Furch ist ein interessanter Typ. Seine Geschichte bzw. die seiner Firma reicht zurück bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Frantisek, tagsüber in der Metallverarbeitung tätig und am Abend Musiker, sah sich mit einem Dilemma konfrontiert: Einerseits war es in der damals sozialistischen Tschechoslowakei nahezu unmöglich ein Topinstrument zu kaufen und auf der anderen Seite war es über die Maßen teuer und kompliziert ein Instrument aus Übersee oder der, nun ja, „freien“ Welt zu importieren.

Kurzerhand entschloß er sich, seine Erfahrung aus dem Schlosserhandwerk zu Nutze zu machen und baute aus einer Trommel, der Fichtenplatte eines Klaviers und einem selbst-laminierten Kunstfaserkorpus eine, zur damaligen Zeit sehr angesagte Roundback-Akustikgitarre. Dies machte unter Kollegen_innen und Freunden_innen schnell die Runde und die Nachfrage nach Frantisek’s Gitarren zog immer weitere Kreise.

Obwohl in der CSSR jegliche Form von Privatwirtschaft untersagt war (Zuwiderhandlungen konnten im schlimmsten Fall zu einer 10 jährigen Haftstrafe führen, ließ F. F. nicht ab von seiner Idee, seine eigenen Gitarren herzustellen, zum einen getrieben von seiner ureigenen Leidenschaft, zum anderen aufgrund der beständig großen Nachfrage von Seiten der Musikergemeinschaft.

Während der 80er Jahre baute F.F. einige hundert Instrumente, überwiegend Roundback-Akustikgitarren und einige wenige Mandolinen.

Frantisek und & Sohn Petr Furch

Durch diese Arbeit stieg er nach und nach in die Riege der Top-Gitarrenbauer der Tschechoslowakei auf und seine Instrumente wurden nun von einigen der renommiertesten Musiker_innen des Landes gespielt. Obwohl er mit vielfältigen Einschränkungen des ehemaligen, kommunistischen Regimes zu kämpfen hatte, gelang es F.F. dennoch, seinen Ein-Mann-Betrieb aufrechtzuerhalten und sogar weiter voranzubringen.

Die entscheidende Wendepunkt in der Firmengeschichte war, als 1989 der Ostblock zusammenbrach und in der Tschechoslowakei die „Samtene Revolution“ den Kommunismus zu Fall brachte. Von nun an war es für Frantisek möglich, seinen Ideen und deren Umsetzung freien Lauf zu lassen.

1990 zog die Gitarrenwerkstatt dann von der heimischen Familiengarage in einen professionelleren Raum von 20qm Größe in einem Industriekomplex um.

Frantisek stellte damals seinen ersten Mitarbeiter ein.

Anfang der 90er Jahre waren es weiterhin die Roundback-Gitarren, die das Kernsortiment repräsentierten. Dazu gesellte sich dann die „Silueton“-Linie, die einmal mehr die neuen, teils unkonventionellen Ansätze Furch’s in den Vordergrund rückte. Verkauft wurde aber immer noch nur auf nationaler Ebene.

Aufgrund der weiter steigenden Nachfrage nach Furch Gitarren, wurde der Produktionsort nach Velke Nemcice verlegt um die Kapazitäten zu erhöhen.

1992 mietete Furch noch einen kleinen Teil einer dort ansässigen ehemaligen Mühle aus dem 16. Jahrhundert an; rund 10 Jahre später kaufte er den ganzen Komplex und siedelte mit allen Geschäfts- und Produktionsabteilungen dorthin um.

Im Jahr 1993 erfuhr das Furch Line-Up seinen ersten großen Umbruch. Da die Nachfrage nach Roundback-Gitarren nach und nach schwächer wurde, stellte man ein neues Portfolio auf die Beine, welches aus drei Korpusformen bestand (Dreadnought, Small Jumbo, Super Jumbo) und rundum aus vollmassiven Hölzern gebaut wurde. Komplettiert wurde das Angebot durch die Silueton Overdrive, einer Stage-Gitarre mit Roundback und einer Kombination aus Humbucker- und Piezo-Pickup.

1998 ging es weiter mit den Blueshand-, Rockhand- und Jazzhand-Modellen, die mit einem gewölbten und daher unbeleistetem Boden (arched back) gefertigt wurden. Dieses Konstruktionsmerkmal sollte einer der Kernpunkte im Gitarrendesign der kommenden Jahre bei Furch werden.

Furch’s Reputation erreichte nun auch internationale Märkte. Wegen der steigenden Nachfrage mußte man demzufolge die Produktionskapazitäten ein weiteres mal anpassen bzw. erhöhen; im Jahr 1999 arbeiteten nun schon 25 Angestellte bei Furch in Velke Nemcice.

Im selben Jahr wurde auch der erste Furch Store in Brno eröffnet und das Sortiment wurde einmal mehr deutlich überarbeitet und erfuhr einige richtungsweisende Ergänzungen. Zum einen stellte man mit der Millenium-Serie eine moderne, eigenständige Line in den Fokus, dem gegenüber brachte man mit der Vintage Serie einen traditionellen Ansatz an den Start.

Bis heute wird das Kernsortiment bei Furch, teils mit geänderten Namen, durch diese Unterscheidung strukturiert.

Bereits 2002 wurde der Prototyp der Little Jane Travelgitarre vorgestellt, die 2010 komplett überarbeitet wurde und in der aktuellen Version ohne Werkzeug zusammengebaut, zerlegt und im mitgelieferten Rucksack- nicht größer als übliches Handgepäck – verstaut werden kann. Das dauert vorwärts wie rückwärts maximal 30 Sekunden und die Gitarre bleibt dabei weitestgehend in Stimmung.

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2003, nach Übernahme der gesamten Produktionsstätte in Velke Nemcice, wurde der Komplex einer ausgiebigen Renovierung und Erweiterung unterzogen. Zum eine hatte man vor eine moderne und zukunftssichere Fertigungseinrichtungen zu installieren. Zum anderen sollte eine eigene R&D (Research and Development) Abteilung ins Leben gerufen werden, mit dem Ziel, eigene, designspezifische und technische Neuerungen auf den Weg zu bringen.

2005 begann die Forschung und Entwicklung eines neuen Systems zur Deckenbeleistung bei akustischen Gitarren und der Optimierung der Top-Plate (Einlage im Korpus unterhalb der Brücke). Die Erkenntnisse daraus hielten 2008 Einzug in die Serienproduktion und tragen seither zum individuellen Furch Sound bei.

Deckenbeleistung (Bracing) bei Furch-Gitarren

Man darf sagen, daß eben jener Forschergeist und der Wille zur stetigen Optimierung einen wesentlichen Teil zum Erfolg der Instrumente aus Tschechien beitragen. In der jüngeren Vergangenheit wurde z.B. ein neues „Composite-Neck-Design“ entwickelt, das einerseits die Konstruktion leichter werden läßt und somit das Schwingungsverhalten verbessert, zum anderen aber auch mehr Stabilität verspricht und somit die Gitarre widerstandsfähiger gegenüber Belastungen wie Temperaturunterschieden und hohem Saitenzug macht. Dies alles wird erreicht durch den Einsatz moderner CNC- bzw. Roboter-Technologie.

Ein eigens entwickeltes UV-Lackierungsverfahren, das bei Furch angewendet wird, hilft, die Lackschicht möglichst dünn aufzutragen und gleichzeitig die Decke der Gitarre zu stabilisieren. Das Ergebnis zeigt sich in einem brillanterem bzw. obertonreicheren Gesamtklang.

Die neueste Entwicklung aus dem Hause Furch ist ein antibakterieller Lack, der auf die Halsrückseite aufgetragen wird. Bei diesem Prozeß des „Antibacterial-Neck-Treatment“ wird ein mit Silber-Nanopartikeln angereicherter Lack verarbeitet. Diese Silberpartikel binden die Mikroorganismen an der Oberfläche und zerstören diese zuverlässig. Ein weiterer positiver Effekt dieser Lackformel ist, daß die Halsrückseite noch glatter und weicher wird. Somit ist ein schnelleres, „ruckelfreies“ Spielen ermöglicht möglich. Alle Furch Gitarren ab Serien-Nr. 95787 wurden bereits dem neuen „Hygiene-Konzept“ unterzogen.

Antibacterial-Neck-Treatment

Seitdem Franziseks Sohn Petr Furch 2006 ins Firmenmanagement eingetreten ist und wichtige Aspekte seiner ursprünglichen Profession mit ins Unternehmen brachte, nämlich die der CNC – Programmierung, werden die traditionellen Wege des Gitarrenbaus mit denen der modernen Fertigung erfolgreich verbunden.

Zum Zeitpunkt des 30-jährigen Jubiläums der Firma im Jahr 2011 arbeiteten 40 Mitarbeiter im Unternehmen. Und wieder war es an der Zeit das Portfolio neu aufzustellen und schlanker zu machen. Dies wurde bis vor Kurzem so beibehalten.

2018 dann, wurde die bis dato unter Namen „Millennium“ bekannte Top-Linie durch die heute bekannten „Color-Line“-Modelle ersetzt: Red, Orange, Yellow, Green, Blue, Indigo und Violet bezeichnen aktuell die Qualitätsklassen der Furch-Gitarren. Dazu gesellt sich die neue Premium-Linie „Rainbow Series“. Hier kann der geneigte Kunde dann aus 160 Features auswählen, diese kombinieren und so seinem Trauminstrument selbst Gestalt verleihen. Dies geschieht jedoch weiterhin über den jeweiligen Furch Händler. Von der Vielzahl an Möglichkeiten kann man sich auf der Furch Webseite schon einen sehr guten Eindruck verschaffen. Gerne konfigurieren wir aber auch mit euch persönlich euer Instrument.

Heute, mit mehr als 60 Mitarbeitern und Petr Furch an der Spitze des Unternehmens, baut Furch Guitars ca. 8.000 Instrumente im Jahr und verkauft diese, unterstützt durch ein gut strukturiertes Händlernetz, auf allen fünf Kontinenten.

Furch Guitars engagiert sich für nachhaltige Tropenholzwirtschaft in Panama, wobei sie Kommunen finanziell unterstützen, die sich dem Schutz des Tropischen Regenwaldes verschrieben haben. Ziel ist es, der Natur in etwa die Menge an tropischen Hölzern „zurückzugeben“ bzw. aufzuforsten, die im Zug des Gitarrenbaus verbraucht werden.

Furch gibt an, daß der Bedarf von 0.00734m3 Holz das zum Bau einer Furch Gitarre benötigt wird, aus 0.00537m3 exotischen Hölzern besteht.

Weiterhin ist es dem Unternehmen gelungen den CO2-Fußabdruck pro Gitarre von 35,3kg auf 14,4kg zu senken und der Strom für die Produktion wird zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen.

Finden wir gut!

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