Captain’s Corner: Celestion Speaker

Viele von uns kennen die folgende Situation: Man hat eine (oder oft mehrere) geliebte Gitarre/n und Sounds im Kopf, die man dann gerne in verschiedenen Lautstärken realisieren würde. Dafür braucht es natürlich den richtigen Amp und die Suche danach ist oftmals gar nicht so einfach. Viele Amps klingen schon irgendwie in die richtig Richtung, aber häufig nicht in der Lautstärke in der man sich hauptsächlich bewegt und die letzte Nuance an Sound fehlt dann irgendwie doch. In vielen Fällen wird dabei der Einfluss der Speaker unterschätzt, die in Sachen Lautstärke/Wirkungsgrad und letztlich beim finalen Klangergebnis doch ein wichtiges Wort mitzureden haben.

Wer dabei auf der Suche nach einem direkten und rotzigen „Britischen Sound“ ist, kommt am Thema Celestion kaum vorbei (Exoten wie Fane oder Wharfedale mal ausgenommen) und wird wohl bein Blick auf deren Homepage vom Angebot etwas erschlagen sein. Grund genug mal genauer auf ein paar Klassiker der britischen Lautsprecherschmiede einzugehen.

Celestion Greenback:

Celestion’s erster Speaker mit Keramikmagnet erblickte 1965 das Licht der Welt und gilt seitdem als der Klassiker der Firma. Genaugenommen gibt es „den“ Greenback eigentlich gar nicht, hatten doch zur damaligen Zeit mehrere Modelle die grüne Kunststoffkappe auf dem Magneten (vom 20 Watt G12M bis zum 30 Watt G12H). Da aber der seit vielen Jahren angebotene „Greenback Reissue“, ein G12M mit 25 Watt, am populärsten sein dürfte, möchte ich auch auf diesen eingehen.

Mit seiner geringen Belastbarkeit und mäßigem Wirkungsgrad ist er ein perfekter Partner für 1×12 Combos mit geringer Wattzahl, wodurch er auch im Wohnzimmer schon sehr gut klingt. Auch in 4×12 Boxen findet er Verwendung. Durch die addierten 100 Watt (4 x 25 Watt) Belastbarkeit hält der Speaker größeren Topteilen problemlos stand. Der Sound eines Greenbacks ist auf unzähligen Aufnahmen zu hören (z.B. Clapton oder Angus Young) und man kann ihn als warm, cremig und relativ schlank in den Bässen bezeichnen. Nicht unbedingt der perfekte Partner für perlende Clean-Sounds oder derben High-Gain, aber umso perfekter für alles von Blues über Pop bishin zu Classic Rock.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Celestion G12H-30:

Der direkte Nachfolger des Greenback (viele Modelle hatten damals sogar noch die Grüne Kappe), besitzt durch den größeren Magneten etwas mehr Belastbarkeit und damit auch einen etwas höhenreicheren, definierteren und härteren Sound. Dennoch besitzt er ausreichend Wärme und ist damit der perfekte Classic Rock/Hardrock Speaker. Auch als Replacement für Fender Amps, die etwas „zerrtauglicher“ werden sollen ohne dabei die typischen Höhen zu verlieren, ist er eine oft und gerne genutzte Option. Prominente Nutzer des G12H waren z.B. Hendrix oder Kossoff (55HZ Version) oder auch Jimmy Page.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Celestion G12-65:

Der in den 70ern entwickelte Speaker erlangte spätestens durch diverse Hardrockbands im darauffolgenden Jahrzehnt Kultstatus (dort wurde er meist in 4x12er Cabs mit JMP oder JCM Marshalls benutzt) und besticht durch stabile Bässe, prominente Mitten und warme Höhen, wodurch er einen sehr definierten Zerrsound produziert. Aber auch Fusion Player wie Robben Ford schwören auf den G12-65 und mittlerweile stattet sogar Fender verschiedene Combos damit aus. Insgesamt ein sehr guter Allround-Speaker für höhenreiche Amps oder Fans von wärmeren Sounds.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Celestion G12T-75:

Der 80er Jahre Klassiker – ausgeliefert in unzähligen Marshall 4×12 Boxen und Combos – ist durch seine präsenten Höhen, schlanken Mitten und den tighten Bassbereich prädestiniert für den Hardrock-, Metal- oder Punksound seiner Zeit. Noch immer ist er die Standardbestückung der Marshall 1960 Box und erfreut sich reger Beliebtheit. Prominente User dieser Speaker sind Guy Picciotto (Fugazi), Joe Satriani, Tony Iommy oder Jim Root von Slipknot.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Celestion Vintage 30:

Der in der zweiten Hälfte der 80er entwickelte Klassiker wurde auf Basis des Frequenzbildes eines Alnico Blue (dem Ur-Alnico Speaker) entwickelt, brachte jedoch durch den großen Magnet und die neu entwickelte Schwingspule Eigenschaften mit, die weniger dem Vintage-Player, sondern viel mehr der Punk-, Nu-Metal-, Hardcore- und modernen Rockszene zu nutze kamen. Die Bezeichnung „Vintage“ ist damit nicht die einzige Verwirrung in der Bezeichnung, auch der Zusatz „30“ deutet keineswegs auf die Belastbarkeit hin. Diese liegt nämlich bei 60 Watt (in der Realität verträgt er aber oftmals noch deutlich mehr) und besitzt einen beträchtlichen Wirkungsgrad. Der Speaker spielt durch seine Hochmittenbetonung, die stabilen Bässe und den angriffslustigen Charakter vor allem bei ordentlich verzerrten Sounds seine Stärken aus. Er ist der Lieblings-Speaker von Slash, aber auch Michael Amott (Arch Enemy) oder Kerry King (Slayer) schwören auf ihn.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Celestion Alnico Blue

Der Ur-Celestion Speaker ist eigentlich ein für Gitarrenamps überarbeiteter Radiolautsprecher und durch den Alnico-Magneten (Keramikmagnete waren damals noch in der Entwicklungsphase) nur mit 15 Watt belastbar. Berühmtheit erreichten die Speaker als Standardbestückung des frühen VOX AC30 und sind damit auf vielen geschichtsträchtigen Aufnahmen verewigt. Der Grundcharakter ist dabei ein ganz anderer als bei Keramik-Speakern. Sie sind deutlich weicher im Attack, sehr warm und glockig in den Höhen und etwas bröseliger in der Verzerrung, was sie vor allem für cleane und crunch Sounds zu genialen Partnern macht. Zu hören sind sie z.B. in den AC30 Amps von Mike Campbell (Tom Petty & the Heartbreakers), Rory Gallagher oder Brian May.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Neben den Reissues der Klassiker hat das Celestion-Sortiment noch viele weitere Speaker-Variationen im Programm. Das Angebot reicht von 8“/10“-Speakern über günstigere Economy Versionen bis hin zu modernen Innovationen wie extraleichte Lautsprecher mit Neodym-Magneten oder Signature-Modellen von bekannten Gitarristen_innen. Damit sollte es also genug Optionen geben, um seinen Lieblings-Amp zu perfektionieren. Damit ihr euch die doch teilweise drastischen Unterschiede im Klang noch besser vorstellen könnt, empfehle ich bei Youtube den Begriff „Celestion Speaker Comparison“ einzugeben, der euch auf einige sehr gut gemachte Vergleichsvideos stoßen lässt. Natürlich bekommt ihr auch von uns eine zielgerichtete Beratung. Zudem ist unsere Werkstatt gerne beim Einbau behilflich.

Viel Spaß beim Vergleichen und Ausprobieren.

Euer Chris

Leave a Reply

Your email address will not be published.