Metal Militia: Der Sound des Melodic-Hardcore-Punks

Bekanntermaßen klappt das mit dem Schreiben ja umso besser, wenn das Thema einen persönlich berührt. Hier also der Versuch euch eines meiner persönlichen Lieblingsmusikgenres und dessen Sound näher zu bringen. 1,2,3,4….

Bevor wir allerdings in media res gehen, müssen wir einen kurz Exkurs in der Musikgeschichte vornehmen:

Wir befinden uns im Übergang der 70er in die 80er Jahre. Punkmusik ist bereits im Vormarsch und wird zunehmend in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Bands wie die Sex Pistols, The Clash und die Stooges sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In New York blüht die Drogenkriminalität auf. Gewalt, Prostitution und organisiertes Verbrechen sind an der Tagesordnung. Im Gegensatz dazu gründet sich unter den den Jugendlichen der New Yorker Arbeiterklasse eine neue Bewegung, die da anschließt, wo Punk bereits aufgehört hat. Wir sprechen von der Entstehung der NYHC -(New York Hardcore)Bewegung, zu deren Urgesteinen Bands wie die Bad Brains, Agnostic Front oder Crow Mag gehören. Im Zentrum dieser Bewegung stehen die Lettern „PMA“ – Positive Mental Attitude. In der Szene sieht man sich als Familie. Auf Drogen und Gewalt wird weitestgehend verzichtet, dafür dient die Musik des Hardcore als Ventil für die Wut und Frustration der Kids. Hardcore nimmt dafür Anleihen aus dem Trash-Metal und mixt diese mit den Roheit und der Simplizität von Punk. Daraus entsteht ein harter, energiegeladener Sound, der noch heute in zahlreichen späteren Genres abgebildet wird.

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20 Jahre später. Wir befinden uns in den Anfangsjahren der 2000er. Metal erlebt ein Revival mit Bands wie Linkin Park, Korn und Slipknot, Gründungsväter des Nu-Metal. Zusätzlich rollt eine zweite „Emo“-Welle über die Welt mit Bands wie AFI, Funeral for a Friend oder The Used, die allesamt stark vom Sound und Stil der 70er/80er Jahre Hardcore-Bewegung beeinflusst sind, allerdings dem stumpfen, walzenden Sound nicht viel abgewinnen können und dem Genre mehr technische Finesse und vor allem eigenständige Gesangs-und Gitarrenmelodien hinzufügen. In diesem Dunst zwischen Nu-Metal Emo/Emocore (später auch gerne als Post-Hardcore bezeichnet) erlebt der Spirit des NYHC ein Revival und manifestiert sich in dem Genre, das wir heute als „Melodic-Hardcore-Punk“ bezeichnen. Klassische Vertreter, für alle, die sich etwas reinhören wollen sind unter vielen anderen: Comeback Kid, Evergreen Terrace, Alexisonfire, Mute, A Wilhelm Scream oder Propagandi.

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Natürlich klingen alle diese Bands nicht gleich – das wäre ja auch irgendwie langweilig. Dennoch gibt es ein paar „Mindestvoraussetzungen“ euer Gear betreffend, die ich euch an dieser Stelle aufgliedern möchte. Beginnen wir mit unser aller Lieblingsthema…

Gitarren:

Ähnlich wie in den 70ern gilt: Es darf herhalten, was recht und billig ist. Allerdings sah die Gitarrenlandschaft Anfang der 2000er anders aus als in den 70ern. Viele der Melodic-Hardcore-Bands orientieren sich dennoch bei ihren Vorbildern. Daher sieht man live viele Sgs oder Les Pauls. Aber auch modifizierte Strat – und Teletypen kommen zum Einsatz. Auch beliebt: Die Verwendung von aktiven Pickups der Marke EMG. Allen gemein ist der fast ausschließliche Gebrauch von Humbuckern für einen ordentlichen Brat-Sound, der mittlerweile nicht mehr wie eine Kreissäge klingen muss, aber allemal tight und drückend agieren sollte.

Amps:

Auch hier bleibt man den Ursprüngen des Hardcore Treu. Ein Marshall JCM-800 gilt immer noch als der „Heilige Gral“ des Distortion-Sounds und wird von vielen der neuen Bands auf die Bühnen gekarrt. Weitere wichtige Verstärker: Marshall JCM 900, Mesa Boogie Dual/Trible-Rectifier oder der Peavey 5150/6505+. Es gilt: High-Gain Distortion ist ein Muss, ein Clean-Kanal nicht zwingend notwendig (Das geht auch mit dem Volume-Regler der Gitarre). Erlaubt ist was „schiebt“ und klingt als würde man mit jedem Down-Stroke ein Stück Beton aus den Wänden reißen.

Pedals:

Keine Angst, auch hier bleiben wir gear-technisch unter dem Radar. Ein Tubescreamer in Kombination mit einem Marshall JCM-800 ist ein muss. Auch ein Mesa Recitifier profitiert davon. Ansonsten reicht eigentlich ein Tuner für die diversen Down – und Droptunings. Für Solos und Melodie-Licks darf auch gerne ein handelsübliches Delay wie z.B. das Boss DD-3 eingesetzt werden. Alle, die keinen Bock auf Rauschen und Feedback in den Breakdowns haben, sollten sich noch ein Noisegate besorgen. Ein Boss NS-2 tut hier einen hervorragenden Job. Wer richtig böse klingen will, kann sich auch noch einen Oktaver oder ein Fuzz aufs Board schnallen.

Cabinets/Speaker:

Alles über 1×12 ist perfekt. Sehr beliebte Boxen des Genres finden sich bei den Marken Orange, Marshall, Boogie und Bogner – gerne auch die Oversized-Varianten für mehr Druck. Die Speaker dürfen gerne etwas schriller sein. Ein Celestion Vintage 30 oder C-90 ist hier genau das Richtige.

Bass:

Simple is intelligent. Ein guter P-Bass oder ein Musicman Stingray haben genug Power, um mit den Gitarren und dem meist agressiven Schlagzeug mitzuhalten. Für die nötige Verzerrung sorgt ein Tech-21 Sansamp oder heutzutage auch ein netter Treter der Firma Darkglass.

Accessories:

Wer wie ein/e richtige/r Hardcore-Dude/Dudess rüberkommen will, sollte an Tattoos nicht sparen. Zudem sind Camo-Shorts und Muscle-Shirts ein must-have. Mit Döner, Burgern und Co. lieber nicht aufs Konzert. Viele der Anhänger sind (aus guten Gründen) vegetarisch oder vegan unterwegs 😉

Spaß beiseite. Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick rund um das Thema „Meldodic-Hardcore-Punk“ und das Genre-typische Gear geben. Natürlich findet ihr alle Teile für die Grundausstattung bei uns im Laden – auf Wunsch mit fachmännischer Beratung. Wir freuen uns auf euren Besuch.

Bis demnächst

Euer Julian

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